Was man tun kann

Buchholz, den 8. April 2013

Liebe Freunde,

die Frankfurter Allgmeine Sonntagszeitung hat in ihrer vorletzten Ausgabe sowohl die Titelseite, wie die zweite, wie auch die dritte Seite einem einzigen Thema gewidmet:

Was geschieht mit Kindern in Chatrooms, die extra für Kinder ausgewiesen sind?

Und man wies in diesem langen, langen Text immer wieder daraufhin, dass IMMER – SOFORT – und DEUTLICH, die Kinder auf Sex angesprochen und dazu gedrängt wurden. So wurden Testpersonen, die z.B. als zehnjährige Kinder auftraten, bei Knuddels.de, Toggo.de, ICQ, usw. immer, sofort und sofort eindeutig zu sexuellen Praktiken aufgefordert und mit sexuellen Bildern überfordert.

Und auch in der gestrigen Folgeausgabe der FAS war es WIEDER AUF DER TITELSEITE: Es habe bei Knuddels.de eine Reaktion auf diesen Artikel gegeben, eine Umstellung in den Sicherheitseinstellungen, aber diese waren reine Kosmetik. Der Schutz der Kinder ist nicht gewährleistet! Fahnder sind jetzt auf der Spur der aggressiven Kinderabgreifer.

Außerdem auch in dieser Zeitung von gestern war unter POLITIK ein Bericht darüber, wie ein Junge von seinen „Freunden“ zu Tode gequält wurde.

Also, ich habe das nicht alles gelesen, dann wäre ich ja gleich wieder krank … Drei, vier Sätze haben völlig gereicht, mir zu zeigen, wie heftig das Ganze ist.

Auch so, bei den kurzen Absätzen, die ich Euch gerade schreibe, ist ausreichend zu erkennen, dass unsere Kinder ERNSTHAFT in Gefahr sind, in dieser Welt aus falschen Gefühlen und falschen Werten und falschen Freunden – und anscheinend fehlenden Eltern. Nicht nur in Chatrooms, sondern täglich in der Schule. Und zwar so sehr, dass wir es nun alle hören müssen – die FAS gibt sich deutlich Mühe, es an uns heranzutragen (deshalb auf den vollen ersten drei Seiten der Zeitung, deshalb am Sonntag, wo man in der Familie Zeit hat, Zeitung zu lesen, deshalb noch einmal zusätzlich ausgerechnet im Politikteil).

Da ich schon vor einer Weile von bereits erfolgten Ereignissen um mich herum und von der wachsenden Bedrohung im Allgemeinen erfahren habe, habe ich, wie Ihr wisst, vor einer Weile dadurch reagiert, dass ich sowohl die Delfinbotschaft gegründet, wie auch (ein bisschen später) ein Ratsmandat angenommen habe. –

  • Gerade habe ich mit meiner Freundin Ute telefoniert und ihr in groben Zügen berichtet, worüber ich Euch im Moment schreibe, nämlich meine Vorgehensweise und Maßnahmen, um hier in Buchholz und im Landkreis Harburg für weniger Kinder- und Jugendkriminalität und gleichzeitig mehr Jugendschutz zu sorgen. Wir haben einen dreiviertel Stunde telefoniert und sie ist kaum zu Wort gekommen…

Das kann man also niemandem zumuten, alles darüber zu hören oder zu lesen, (obwohl ich gar nicht viel tue und dabei noch ein Großteil fachlicher Arbeit von Sozialpädagogen und politischer Arbeit von meinem Mann getan wird).

So werde ich Euch all dieses erst an das Ende dieser Nachricht packen und Ihr entscheidet, wie viel Ihr davon lesen mögt, ja? Es ist schon spannend und muss auch einmal aufgeschrieben werden, damit Ihr wisst, DASS ich etwas tue und DASS es langsam auch Fortschritte gibt.

Mir ist jedenfalls mal wieder überdeutlich geworden, dass ich mit der „Delfinbotschaft“ sehr viel Gutes tun kann und wie sehr ich das auch will!

Außerordentlich dankbar bin ich für jede Hilfe, die Ihr uns spendet! Ich bin auch dankbar über große Spenden, aber im Prinzip wäre es schon einfach wundervoll, wenn jeder der Leser einfach nur 20€ spenden würde! Dann käme so leicht soviel zusammen, dass ich das Projekt für die traumatisierten Kinder (Durch Schock, Mobbing, Gewaltakt, Krankheit, Unfall, Verlust eines Elternteil etc.) sofort beginnen könnte, weil für alle Kosten gesorgt wäre.

Dass ein dreizehnjähriger Teenager von seinen Klassen-„kameraden“ zu sexuellen Handlungen gezwungen wird und dieses auch noch gefilmt und auf Youtube gestellt wird, sodass nun alle Welt ihn in seinem Elend zusehen kann, ist furchtbar, aber kein Einzelfall! Das Kind fühlte sich der Klasse komplett ausgeliefert und hat seinen Eltern nichts gesagt… Als die Geschichte endlich von einem Erwachsenen erkannt wurde, haben die Eltern glücklicherweise richtig reagiert. Aber es gibt dann keine Chance mehr auf Befriedung der Situation, das Kind kann nur überleben und geheilt werden, wenn es diese Schule und das gesamte Umfeld verlässt, also die Familie umzieht. Dennoch ist so ein Kind meist für sein Leben gezeichnet. Gott sei Dank ist es überhaupt entdeckt worden!!!!

Ich kann Euch viele ähnliche Fälle aus dem Buchholzer Umfeld bzw. aus dem Landkreis Harburg berichten – ein Landkreis, dem es sogar recht gut geht – heile Welt gewissermaßen …

Jedenfalls müssen wir, wollen wir Hilfe geben! Bitte helft uns, dass wir überhaupt helfen können!

Und nun zu all dem, was ich so tue, um ein bisschen zu bewirken:

Ich habe mich erkundigt, was man tun kann, was auch wirklich Verbesserung verspricht. Was muss man also tun, um irgendwie geeignete Hilfe zu bringen? Natürlich biete ich schon die Schülersprechstunde an, aber es wäre gut, zusätzlich direkt zu den Kindern und Jugendlichen zu gehen. Je mehr Menschen dies täten, umso mehr Kinder sind zu erreichen.

Eine befreundete Sozialpädagogin berichtete mir von Nürnberg. Dort war die J ugendsituation bis vor ein paar Jahren noch überaus schlecht. Dann hat Nürnberg reagiert, indem die Stadt in großer Anzahl Schulsozialpädagogen eingestellt hat. 2011, als ich recherchierte, waren schon 85 Schulsozialpädagogen an 60 Schulen beschäftigt (mit steigender Tendenz – inzwischen hat Nürnberg anscheinend schon an die 140 Sozialpädagogen an Schulen aller Schultypen verteilt). Die Auswirkungen sind deutlich. Ich habe mir die Kriminalstatistik angesehen: Schon von August 2009 (als man mit dem Projekt begann) bis Anfang 2010 ist die KINDERkriminalität bereits um ein Viertel zurück gegangen. Auch bei den Jugendlichen und den jungen Erwachsenen sah man schon eine Auswirkung auf die Kriminalitätsrate, nicht ganz so hoch, wie bei den Kindern, aber deutlich. Es fällt also auf, dass Aufmerksamkeit auf die Schüler, denn das sollen Schulsozialpädagogen auf geeignete Weise ja geben, verhindert, dass diese kriminell werden. Und natürlich ist so ein Ansprechpartner auch gut, um Kindern Unterstützung zu geben, wenn diese selbst bedroht sind – im Elternhaus, im Internet oder in der Schule. Ich rief in Nürnberg an, um mit der Polizei und dem Jugendamt zu sprechen und man bestätigte mir:

  • Das Hauptmerkmal der Schulsozialarbeit ist die schnelle Auswirkung, der schnell sichtbar werdende und messbare Erfolg, weil sie so nah am Menschen und zwar am jungen, noch positiv beeinflussbaren, Menschen, arbeitet.
  • Das zweite Merkmal ist, dass sie zusätzlich zu diesem schnellen Erfolg außerdem eine Präventivmaßnahme ist, die also auch langfristig in den nächsten Jahrzehnten Erfolge bringt.
  • Ich möchte ergänzen, dass auch die Kinder aus liebevollem Elternhause sicherer sind, wenn es den auffälligen oder vernachlässigten Kindern besser geht.

So kam dieses Thema also in das Wahlprogramm der Grünen für die Kommunalwahl in Buchholz 2011, wo ich parteilos mit auf der Liste stand.

Nach der Wahl war ich selbst erst noch nicht im Stadtrat, aber ich habe sowohl beim Schulausschuss im Buchholzer Stadtrat, wie bei zwei verschiedenen Ausschüssen im Landkreis Fragen gestellt und jeweils auf die Nürnberger Vorgehensweise und Erfolge hingewiesen.

Dazu muss ich berichten, dass das Amt für Jugend und Familie im Kreis über den Bund 2,3 Millionen Euro zum Verteilen bekommen hatte, insbesondere auch für Schulsozialpädagogen. Anscheinend sollte dieses Geld aber nur projektbezogen vergeben werden. Ich habe den bereits vorhandenen Kontakt zu den Schulen genutzt, um sie auf dieses Thema und ihre Möglichkeiten hinzuweisen (sie mussten ja ihrerseits erneut Anträge schreiben, damit Stadt und Kreis und Land auf ihre prekäre Lage aufmerksam wurde).

Außerdem habe ich sowohl die Politiker im Kreistag, wie im Stadtrat bewegen können, jeweils einen Antrag auf Schulsozialpädagogen für die Schulen zu stellen. Die gestellten Anträge auf Schulsozialpädagogen wurden aber leider von den Politikern an beiden Stellen wieder zurückgezogen. Immerhin wurde das Thema einmal angedacht und öffentlich besprochen und die Anträge der Schulen wurden mit etwas mehr öffentlicher Aufmerksamkeit betrachtet.

Ich machte zum Beispiel auf den Umstand aufmerksam, dass für 6 (sechs) Schulverweigerer 100.000€ im Landkreis ausgegeben werden, um diesen einen Ersatzunterricht anzubieten und sie hinzubringen. Im Gegensatz dazu wünschte sich ein Schulleiter für eine weiterführende Schule mit 1600 Kindern NUR EINEN Schulsozialarbeiter. Das macht das finanzielle Ausmaß, das entsteht, wenn wir uns nicht rechtzeitig kümmern, schon ein bisschen deutlicher.

Dann bin ich selbst in den Stadtrat gekommen und es wurde nun über einen Antrag abgestimmt (das war nun schon Mai 2012), ein Konzept zu entwickeln, wie man Schulsozialarbeit an Buchholzer Schulen bringen könne. Ich plädierte für ALLE Buchholzer Schulen, um wenigstens unseren Teil des Landkreises schon komplett zu versorgen, aber die Mehrheit der übrigen Politiker empfanden den Landkreis als „zuständig“ für die weiterführenden Schulen (mit anderen Worten, dort solle das Geld herkommen) und man einigte sich auf ein Konzept für die Grund- und Hauptschulen. Dieses Konzept sollte nach den Herbstferien 2012 fertig gestellt sein, ist es aber bis jetzt noch nicht.

Nebenbei: „Zuständig“ wäre eigentlich das Land Niedersachsen, aber von dort war keine Hilfe zu erwarten, da der Landkreis Harburg einer der reichsten im Lande ist. Außerdem wird vom LK Harburg KEINE Statistik über Jugendkriminalität oder Gewalt an Jugendlichen geführt (ich glaube eher, diese wird nur nicht veröffentlicht) und so kann man nicht darauf pochen, dass Hilfe nötig wäre.

Also, so dachte ich mir, weiß der Buchholzer Rat einfach nicht genug über die Lage der Kinder und habe (genau wie Christoph) diverse Anfragen gestellt,

wie viele Mobbingfälle es gebe (dazu muss man aber nach anderen Straftaten fragen, denn Mobbing ist keine gültige Straftat, man muss nach „übler Nachrede“, Körperverletzung usw. fragen)
wie viele Inobhutnahmen es durch das Jugendamt gegeben habe
wie viel Geld durch Vandalismus verloren gehe
Aber auch dort, angeblich  gibt es keine Aufzeichnungen….

Ich machte auf das Kinderschutzgesetz aufmerksam, bat um Offenlegung der Korrespondenz der beantragenden Schulen mit dem zuständigen Bereich (Abteilung Jugend und Familie) im Landkreis, um zu wissen, warum das Amt Hilfen ablehnt , ich stellte einen Antrag, dass man sich in dem Ausschuss, der sich mit den sozialen Themen beschäftigt, in dem ich auch sitze, regelmäßig die Jugendhilfeträger und Organisationen einlädt, um zum Stand der Jugendsituation Berichte zu erhalten. Auch diese Anträge wurden von der Mehrheit der anderen Politiker abgelehnt …

Indirekte Reaktionen aber gab es, insofern war das ganze Aufmischen wohl doch irgendwie förderlich: Es wurden die Bund-Gelder, die vorher nur in Projekte fließen sollten, nun doch vom Landkreis Harburg in (leider zeitlich befristete) Stellen für Schulsozialpädagogen umgewandelt. Diese werden jetzt gerade peu a peu eingestellt.

Das Buchholzer Konzept, das noch nicht begonnen wurde, soll nun mit Hilfe dieser Sozialpädagogen aufgestellt werden.

Im Jahr 2010 hatte Christoph im Rat einen Antrag auf Medienkompetenzunterricht in den Schulen gestellt. Das hat sich sehr bewährt, denn lernen die Kinder verantwortungsvoll mit dem Internet, mit Facebook und in Chatrooms usw. umzugehen und bei Cybermobbing Hilfen einzuholen. Das finde ich großartig und an dieser Stelle scheint es auch jetzt zu gelingen, dass alle Fraktionen eine weitere Erleichterung für die Schulen zumindest für dieses Jahr befürworten. Nebenbei, schon die 5.Klässler haben in großer Zahl schlechte Erfahrungen mit dem Internet…

Als nächstes bin ich also wieder als Fragensteller im Jugendhilfeausschuss im Kreistag, um für Schulsozialpädagogen zu werben, schreibe ans Land, um da einen alten Antrag wieder aufzurollen und werde, wenn das Konzept fertig gestellt ist, wieder aufgreifen, dass die weiterführenden Schulen es genauso nötig hätten (übrigens gibt es bei uns gar keine Hauptschulen mehr, sie wurden zwischenzeitlich umgewandelt in IGS und Oberschule – das wusste man eigentlich schon bei der Abstimmung zum Konzept).

Ich habe natürlich, um alles zu untermauern noch ein bisschen im Internet recherchiert und bin auf viel zu viel Material gestoßen, das aber EINHEITLICH beweist, dass frühe Unterstützung der Kinder und Jugendlichen die richtige Vorgehensweise ist, um späteren Schaden abzuwenden – und nebenbei, um dem Staat sehr, sehr viel Geld zu sparen…

Die Studien kommen gleich am Schluss, falls Ihr sie für irgendetwas selbst nutzen wollt.

Natürlich haben wir auch bei der „Delfinbotschaft“ direkt, also in der Praxis und nicht politisch, fleißig weitergemacht. Es wissen längst noch nicht alle Kinder von uns, so machen wir auf uns aufmerksam, erzählen auch, was es überhaupt an Hilfen hier gibt. Wir stehen in der Schülersprechstunde zur Verfügung, wir geben auch telefonisch Rat und demnächst werde ich bei gutem Wetter auch beim Emporeteich in der Stadtmitte sitzen, damit mich die Kinder oder Jugendlichen direkt ansprechen können, falls sie Sorgen haben.

Als nächstes ist übrigens eine Baumpflanzung mit Schulkindern geplant, unter dem Motto „Eine Buche für Buchholz“ , auch Naturschutz als Lernziel steht ja in der Satzung…

Liebe Freunde,

to make a long story short:

Es ist Hilfe nötig! Sie lohnt sich! Denn sie bringt Erfolge! Das ist viele Male bewiesen worden.

Wir sind fleißig, aber wir benötigen Hilfe, um helfen zu können (und helfen bedeutet bei uns: Unterstützung der Eigenverantwortlichkeit und des Selbstbewusstseins und der eigenen Fähigkeit ein selbstbestimmtes, gesundes Leben zu führen).

Das betrifft alles Deutschland, also uns, also unsere Zukunft. Denn auch unsere Zukunft hängt von dem inneren Frieden, von der sozialen Lage hier in Deutschland ab. Wenn wir in zwanzig Jahren, da sind wir dann ja auch älter und evt. schwächer, auf friedfertige Mitmenschen treffen wollen, dann müssen wir den jetzigen 14jährigen auch die Chance auf eine gute Entwicklung geben.

Und noch einmal: Auch die Kinder „aus gutem Hause“, mit den besten Anlagen und dem besten Willen sind sicherer, wenn wir uns um die auffälligen oder vernachlässigten Kinder liebevoll kümmern!

Ich grüße Euch sehr herzlich, auch im Namen der Delfinbotschaft, für die ich Euch heute geschrieben habe! Ich freue mich über jede Unterstützung, probiert es vielleicht doch mal mit den 20€, bitte!

Eure Cornelia Cornels-Selke

Nun zu den Studien:

Da gibt es den Sherman Report

Basierend auf der Auswertung vorhandener Forschungsergebnisse von 500 verschiedenen Evaluationen wird in der Metaevaluation der Frage nachgegangen, wie sich die berücksichtigten Programme auf Jugendgewalt ausgewirkt haben, welche Beeinflussungsfaktoren sich im Hinblick auf Jugendkriminalität als wesentlich erwiesen haben und welche Risikofaktoren sich daraus ableiten lassen. Das ist ein Riesentext, spricht aber deutlich aus, wie sehr es sich lohnt.

Der Sherman Report ist sehr bekannt. Manchmal wird aber dagegen gesagt, das sei eine amerikanische Studie und wir seien hier in Deutschland.

Hier in Deutschland haben wir aber zum Beispiel das „Düsseldorfer Gutachten“.

Das Gutachten basiert auf 61 Studien zur Kriminalprävention. Bei der Analyse des Gesamtgeschehens ist schnell zu erkennen, dass die Erziehung im Elternhaus sowie in Kindergärten und Schulen erheblichen Einfluss auf Kriminalitätsentwicklungen haben.

Zu bemerken ist dabei das 5% Problem. Nicht „die“ Kinder, Jugendlichen oder bestimmte Gruppen von Menschen sind intensiv sozial auffällig, sondern vornehmlich die relativ wenigen Intensivtäter mit dem kriminologisch bekannten Syndrom der sozialen Bindungslosigkeit: funktional gestörte Familie; fehlende Kontrolle und Zuwendung in der Familie; wechselndes oder gewaltorientiertes Erziehungsverhalten der Eltern; wechselnde Aufenthaltsorte; erhebliche Auffälligkeiten wie Schwänzen und Aggressivität in der Schule; kein Schulabschluss und keine Lehre; negative Arbeitseinstellung; unstrukturiertes Freizeitverhalten; keine tragenden menschlichen Beziehungen; Unfähigkeit zur emotionalen Kommunikation.

Die Forschung zeigt, dass die Risikofaktoren durch Resilienzfaktoren ausgeglichen und neutralisiert werden können. Schutzfaktoren in der Schule und außerfamiliären Bindungsbereichen können tatsächlich für Ersatz sorgen. Natürlich kann die Schule im Rahmen des sozialen Normenlernens die Rolle der Eltern und der engen familiären Umgebung nicht ersetzen. Andererseits ist die Schule aus den genannten Gründen jedoch immer noch besser geeignet zur erfolgreichen normativen Sozialisation als die erst später und mit weniger sozialer Nähe und intensivem Personenbezug wirkenden Institutionen wie Vereine, kommunale Einrichtungen oder gar das Recht.

Die Beteiligten sind oft überrascht, dass eine Problematik wie Gewalt in der Schule, die sich in Erpressungen, Bedrohungen und Körperverletzungen meist jüngerer und unterlegener Schüler äußert, auch andere Institution betrifft und nur eine Vernetzung und Abstimmung von Gegenmaßnahmen wirklich Erfolg bei der Eindämmung dieser schädlichen Verhaltensweisen mit sich bringt.

In all diesen Sozialbereichen bedarf es freilich mutiger Menschen, die hinsehen und soziale und individuelle Schädigungen nicht hinnehmen. Eine Kultur des Wegsehens (Schwind u.a. 1998) verhindert schon die Thematisierung der Kriminalitätsprävention, was sich in relativ geschlossenen sozialen Räumen fatal auswirkt.

Nicht der Überbringer, d. h. Anzeigeerstatter, einer Straftat darf als Störer der Gemeinschaft verurteilt werden, sondern es geht um die Nachricht und deren Realitätsgehalt. Wer in einem rechtsstaatlichen System aus moralischen Gründen eine Straftat offenkundig macht – z. B. im Bereich der Schule oder häuslicher Gewalt – ist kein Denunziant sondern ein verantwortlicher Bürger, dem es um den Schutz von Opfern geht. Der entscheidende Präventionsfaktor der Aufdeckung strafbaren Verhaltens ist nur durch eine Kultur des Hinsehens und Interessierens zu aktivieren.

Und so geht es immer weiter in all den Studien, die ich auch noch beschaut habe.

Diese Studien wurden ja nicht umsonst gemacht, sie sollten klarstellen, dass Hilfe benötigt wird und dass sie auch tatsächlich Nutzen bringt.

Bertelsmannstudie von 2010 – Unzureichende Bildung: Folgekosten durch Kriminalität

Wäre es im Jahr 2009 gelungen, die unzureichende Bildung um

50 Prozent zu reduzieren, hätte es in Deutschland mindestens 416 Fälle von Mord und Totschlag, 13.415 Fälle von Raub und Erpressung sowie 318.307 Fälle von Diebstahl weniger geben können. Dadurch hätten neben dem persönlichen Leid, das vielen Betroffenen erspart geblieben wäre, insgesamt 1,42 Milliarden Euro an Kosten der Kriminalität „eingespart“ werden können

Besonders eindringlich ist die Perry Studie:

Die Kosten-Nutzen-Analyse der Perry-Studie im Alter von 27 – nachdem die Teilnehmer als Kinder eine Frühprävention von nur zwei Jahren erhalten hatten:

Nur ein Auszug: Die durchschnittlichen Kosten pro Teilnehmer am Programm betrugen

$14.716. Der aus dem Programm erzielte Gewinn betrug jedoch – pro Teilnehmer – $105.324. (Bis zum 40.Lebensjahr sogar 195.000 $ pro Kind)

Das Anti-Bullying-Programm des Norwegers Dan Olweus
Es handelt sich um eines der wenigen Programme gegen Aggressivität und Gewalt (was wir Mobbing nennen heißt im internationalen Sprachgebrauch häufig: Bullying), das in mehreren Ländern erprobt wurde und deutliche gewaltreduzierende Effekte (Rückgang um bis zu 50 %) zeigen konnte. Die Untersuchungen zeigen, dass Opfer sich allein gelassen fühlen und selbst andauernde Opferwerdungen verschweigen. Sie erfahren sehr selten Unterstützung durch Mitschüler, Eltern und Lehrer.

Auf Täterseite zeigt sich ein Zusammenhang zwischen aggressiven Auffälligkeiten in der Schule und späterer Straffälligkeit: Etwa 30 – 40 % der Täter wurden später 3- oder mehrfach verurteilt.

 

 

Delfinbotschaft

Gemeinnützige Unternehmergesellschaft (haftungsbeschränkt)

Sprechstunde für notleidende und gefährdete Mitmenschen

(insbesondere Kinder, Jugendliche, junge Erwachsene)

Sprechzeiten nach Aushang und Vereinbarung

Gesellschafterin/Geschäftsführerin: Cornelia Cornels-Selke, Heilpraktikerin

Mitglied im Verband Deutscher Heilpraktiker (VDH)

AG Tostedt Handelsregister B 203019, Steuernummer: 15/203/07419

Spendenkonten: 2105820200, Volksbank Nordheide, Blz. 24060300 und

90209602, Sparkasse Harburg-Buxtehude, Blz. 20750000

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