Fragen an den Kirchenkreis zum Thema Klimaschutz

  • Wir können den Kirchenkreis zum Sachstand des Klimaschutzes fragen, denn auch die Kirchengemeinden besitzen Grund und Boden, sie haben Gebäude, die sie heizen müssen, sie legen Geld an und haben Versicherungen. Sowohl die Evangelische Kirche in Deutschland, wie auch die katholische, positionieren sich klar zum Umwelt- und Klimaschutz und betonen die Wichtigkeit. [i]
  • Dazu nutzt Ihr erst einmal Ecosia zum Auffinden der Kirchenkreise um Euch herum, also in Eurer Landeskirche, bei mir ist das https://www.landeskirche-hannovers.de/evlka-de/wir-ueber-uns/sprengel-kirchenkreise. Dort suchen wir unseren eigenen Kirchenkreis heraus, bei mir ist das Kirchenkreis Hittfeld, und dort finden wir die Verantwortlichen und meist auch noch eine Pressesprecher*in dazu. Beiden senden wir die Fragenliste mit höflichen Begleitworten zu. Je mehr schreiben, umso besser!

Sehr geehrte/r Frau/Herr Superintendent

Sehr geehrte/r Herr/Frau Presseprecher*in

Dieser offene Brief an Sie ist voller Fragen, den Klima-, Umweltschutz und die Klimagerechtigkeit unseres Kirchenkreises betreffend.

Wir bitten Sie dringend um Antworten, die uns verdeutlichen können, wie unsere nächsten Schritte diesbezüglich aussehen sollten. Wenn die Kirche und wir als Mitglieder in diesem Thema auch praktisch vorangehen, ist das ein großes Zeichen an die übrige Bevölkerung.

Nur Klarheit darüber, wie wir alle unseren gemeinsamen Weg in Richtung Klimagerechtigkeit, in Fairness zu unserer Mitwelt und damit in eine lebenswerte Zukunft beschreiten können, wird Ängste, genauso Leugnen und Abwehr verhindern und damit den nötigen Transformationsprozess erleichtern.

1. Zum Transport und Verkehr:

1.1 In welcher Form werden Sie den öffentlichen Nahverkehr fördern und damit letztlich im Verhältnis zum Individualverkehr erhöhen?

  1. Sind kostenlose Jahreskarten des Öffentlichen Nahverkehrs für Mitarbeiter ohne PKW geplant? – Wer sich mit dem Gedanken trägt auf das Auto ganz zu verzichten, hat darin einen großen Anreiz.
  2. Inwieweit gibt es innerhalb der Kirche ein Carsharingangebot oder wird dieses gefördert? – Jedes Carsharing-Auto ersetzt vier bis sechs individuelle PKW.
  3. Propagieren Sie autofreie Tage im Kirchenkreis?
  4. Fördern Sie Wasserstoff-PKW für Mitarbeiter/ den Fuhrpark?
  5. Wenn Sie im Kirchenkreis auf E-PKW setzen, ist der Strom, den Sie bei der Kirche vorhalten, dafür ökologisch verträglich? – Wenn E-PKW mit Kohlestrom angetrieben werden, bedeutet dies, dass sie genauso klimaschädlich sind, wie Benzin/Diesel/Gas-angetriebene PKW. Wird dafür Atomstrom genutzt, bereiten sie eine Altlast, die über Jahrtausende bestehen bleibt.
  6. Können Sie sicherstellen, dass die in unserem Kirchenkreis fahrenden E-PKW und deren Batterien frei von Sklavenarbeit hergestellt sind?

1.2  In welcher Form fördern Sie den Fahrradverkehr?

1.3 In welcher Form fördern Sie die Aufenthaltsqualität im Kirchenumfeld für Fußgänger*innen?

  1. Inwiefern investieren Sie in Begrünung von Plätzen, Fassaden, Dächern? – Diese vermitteln Lebendigkeit und damit ein Sicherheitsgefühl, senken die Feinstaubbelastung, reduzieren CO2 und produzieren Sauerstoff.
  2. Inwieweit haben Sie inzwischen die Außenbeleuchtungen auf LED umgestellt und auf verträgliche Wellenlängen des Lichts geachtet? – Fußgänger sollen sich sicher fühlen, aber die Einflüsse auf die Tierwelt (Anziehen nachtaktiver Insekten, Störung des Vogelflugs bei Zugvögeln) und die allgemeine Aufhellung der Erdatmosphäre (Lichtverschmutzung, die astronomische Beobachtungen infolge Streuung des Lampenlichts in der Atmosphäre des Nachthimmels behindert) verhindert werden. Eine Beleuchtung für Bürger*innen auf Kosten der Mitwelt ist zu meiden.

2. Energie

  1. Wie weit sind wir mit unserem Kirchenkreis auf dem Weg der Dekarbonisierung?
  2. Inwieweit ist die Energie dezentral?
  3. Inwieweit sind die Kirchengemeinden unabhängig in Sachen Energie?
  4. Inwieweit haben Sie eine Doppelstrategie aus Energie-Einsparung und Energie-Wende?
  5. Wo finden die Gemeindmitglieder/Bürger einen öffentlichen Sachstandsbericht?
  6. Ab wann ist der genutzte Strommix komplett frei von Kohle- und Atomstrom, wie ist der Ausstieg geplant?
  7. Inwieweit erschließt ein systematisch betriebenes Energiemanagement weitere wirtschaftliche Potenziale? Z.B. Wärmequellen und Wärmeabnehmer finden besser zusammen, die Energiebeschaffung wird optimiert, Fördermittel genutzt, Heizungen und Lüftungsanlagen laufend optimiert, Monitoring, Einsparprojekte in Kindergärten, Schulen, Dienststellen werden durchgeführt, Sanierungsfahrpläne werden aufgestellt und umgesetzt, genauso gesetzliche Vorgaben etc. – Gerade bei knapper Kasse lohnt es sich, auf erneuerbare Energie umzusteigen.
  8. Inwieweit lernen die zuständigen Personen wie die Energiewende im eigenen Bereich voranzubringen ist? – Die zuständigen Verwaltungsangestellten, können bei den Klimaschutz- und Energieagenturen lernen, in Niedersachsen und Baden-Württemberg ist das kostenfrei.
  9. Sind bei der Veräußerung kircheneigener Grundstücke im Kaufvertrag ökologische Energienutzungen vorgeschrieben? Ist dies für den Weiterverkauf bindend festgelegt?
  10. Gibt es ein Wärmekonzept für die Zukunft?
  11. Wann ist der eigene Gebäudestand saniert?

3. Bauen und Wohnen / Arbeiten und Leben

  1. Wann gibt es einen Baustop? – Jeder neue Raummeter, der umbaut wird, benötigt Baumaterial und Heizwärme, erhöht also den Energieverbrauch, wodurch die CO2 Bilanz des Kirchenkreises steigt.
  2. Wenn dies nicht geplant ist, inwieweit ist beim Neubau Ausrichtung, Kompaktbauweise, Passivhausbauweise, die Nutzung erneuerbarer, ökologisch verträglicher Energien, Bepflanzung vorgegeben?
  3. Inwieweit ist der Bau von Gebäuden selbst klimaneutral? Inwieweit haben Sie dazu verpflichtende Anforderungen aufgestellt? – Beton ist eine große Klimabelastung, Sand wird beim Bau gebraucht, ist aber inzwischen Mangelware auf der Erde und birgt großes Konfliktpotenzial in anderen Teilen der Erde.
  4. Wieviel kirchlicher Boden (Fläche) wurde in den letzten 15 Jahren versiegelt und durch neue Bauten/Zuwegung verbraucht?
  5. Wieviel Boden wurde/wird im Gegenzuge entsiegelt?
  6. Inwieweit gibt es seitens der Kirche Beratung und Unterstützung für ältere Mitbürger mit Eigenheimen, eine Einliegerwohnung für mögliche Mieter*innen abzutrennen? Inwiefern wird dieses bekannt gegeben? – Ältere Bürger*innen legen Wert auf Selbständigkeit, sie leben in ihren Eigenheimen mietfrei, aber oft mit geringer Rente. Auch sind sie mit steigendem Alter verstärkt mit der Haus- und Gartenpflege überfordert. Eine Mieter*in  bringt eine finanzielle Erleichterung, könnte bei Gartennutzung auch in der Gartenpflege integriert werden und stellt einen Sozialkontakt dar. Die Selbständigkeit der älteren Mitglieder könnte länger erhalten bleiben. Einer Übernahme des Hauses durch Immobilienspekulanten wird entgegen gearbeitet und damit einer Verarmung der älteren Bürger*innen. Außerdem wäre der umbaute und zu heizende Wohnraum nun mit mehr Personen genutzt, das ist energieeffizient und klimaschützend. Es entsteht Wohnraum ohne Neubau und die damit verbundene Umweltbelastung wird vermieden. Ist die Kirche an dieser Stelle engagiert?

4. Wasser

  1. Wird Regen konsequent aufgefangen? Wird Regenwasser vom Schmutzwasser getrennt gesammelt?
  2. Gibt es Konzepte für Starkregenereignisse? Retentionsräume? Es gibt Fördertöpfe für Entschädigung der Grundbesitzer, wenn das Wasser auf Felder ausweicht/ausweichen darf.
  3. Inwieweit nutzen die Gemeinden Regenwasser beim Bewässern, in privaten wie öffentlichen Toiletten, bei der Fuhrparkreinigung, in Waschkellern von Kirchen-Wohnungen – Das Bundesverwaltungsgericht hat 2011 entschieden, dass Waschmaschinen mit Regenwasser betrieben werden dürfen (BVerwG 8 C 44.09).
  4. Inwieweit hat der Kirchenkreis / die Gemeinden auf Wasser-durchlässiges Pflaster umgestellt? – Bei Starkregenereignissen , aber auch für das Kleinklima sehr wichtig.
  5. Sind evt. vorhandene Quellen auf kircheneigenem Grund geschützt? Vor Pestiziden und Dünger ebenso wie vor Hochwasser?
  6. Wie ist dafür gesorgt, dass z.B. in der Landwirtschaft auf gepachtetem Kirchenland auf Wasser-gefährdende Stoffe  verzichtet wird?
  7. Hat das Wasser bei Hochwasserereignissen genügend Platz? – Retentionsraum ist wichtig.

5. Landschaft, Landwirtschaft, Landschaftsschutz

  1. Inwieweit unterstützt der Kirchenkreis durch die Verpflegung in Kindergärten etc den ökologischen Anbau im Ort?
  2. Inwieweit haben Sie kircheneigene Flächen ökologisch aufgewertet, inwiefern sind Sie dabei?
  3. Ist der Forst, die Landschaft auf Kirchenboden auf naturnahe, nachhaltige Bewirtschaftung ungestellt? Wieviel Prozent der Fläche ist dem Naturschutz und Landschaftsschutz gewidmet? Wieviel Prozent des Waldes ist Naturwald? – Es gibt finanzielle Unterstützung beim Waldklimafond des Bundes.
  4. Inwiefern unterstützen Sie in diesem Jahr Initiativen, die für Landschaftsschutz, Tierschutz, Insektenschutz aktiv sind? Inwiefern erhalten Sie das von diesen Initiativen bereits Erreichte oder inwiefern geht es wieder verloren?
  5. Inwiefern verbessern Sie die Standorte der hiesigen Bäume?
  6. Wie stark ist der Wald durch Dürre und Borkenkäfer geschädigt worden, inwieweit musste gefällt werden und wie wird dies ausgeglichen?
  7. Sind groß angelegte Baumpflanzaktionen geplant? Inwieweit gibt es Unterstützung für private Pflanzungen?

Geld / Plan

  1. Ist der Kirchenkreis ein Vorbild in seinen Handlungen im Sinne des Klima-/Umweltschutzes, der Klimagerechtigkeit, im Ressourcenverbrauch, im Sinne der Lebensqualität der kommenden Generationen? Hat er einen Plan, wie dies gelingen kann?
  2. Inwieweit stellt der Kirchenkreis sicher, dass die Banken, mit denen er arbeitet, evt. eine kircheneigene Bank, Gerechtigkeit und Erhaltung der Lebensgrundlagen fördern? in welche Projekte investiert die Bank oder Sparkasse, wohin verleiht sie? Sind da Waffen bei? Atomwaffen, Kampfpanzer, Drohnen  (mit Waffen werden Milliarden-Geschäfte gemacht, außerdem arbeiten Militär und Rüstungsindustrie sehr unökologisch). Nahrungsmittelspekulationen? Gentechnik, Tierversuche, Kinderarbeit oder Menschenrechtsverletzungen?  Bremsen sie die Energiewende? Haben sie Schattenfinanzplätze?
  3. Inwieweit nutzt der Kirchenkreis grüne Versicherungen / ist die Pensionskasse klimafreundlich?  –  Auch Versicherungen  investieren, aber ist ihr Handeln ethisch vertretbar?
  4. Hat der Kirchenkreis selbst einen grünen Fond, oder mit anderen Kreisen zusammen, in den die Bürger*innen investieren können?
  5. Gibt es Kommunikation bezüglich dieser Themen zwischen Bank/Sparkasse und dem Kirchenkreis, wird dem Geldinstitut, der Versicherung nahe gelegt, sich ethisch und im Sinne einer Gerechtigkeit, z.B. Klimagerechtigkeit, zu verhalten?
  6. Wieviel Geld ist für die vielfältigen Aufgaben des Klimaschutzes im jetzigen Haushalt, genauso im mittelfristigen und im langfristigen?
  7. Ist dafür ein Umweltmanager/-beauftragter eingestellt oder wer koordiniert? Oder hofft der Kirchenkreis noch, das ginge kosten- und personalneutral? – In der Regel ist der Personalbestand schon ausgedünnt und solche Großbaustellen Energiewende und Natur/Klimaschutz lassen sich erfahrungsgemäß nicht nebenher erledigen.
  8. Wer hat die Verantwortung?
  9. Gibt es dazu Öffentlichkeitsarbeit im Kirchenkreis?
  10. Gibt es Unterricht dazu?
  11. Inwieweit unterstützt der Kirchenkreis die im Klima- und Umweltschutz bereits aktiven Jugendlichen?

Sowohl die Evangelische Kirche in Deutschland, wie auch die katholische, positionieren sich klar zum Umwelt- und Klimaschutz und betonen die Wichtigkeit. Darüber sind wir sehr glücklich und hoffen natürlich auf praktische Umsetzung. 

Sollte diese schon stattfinden, dann wünschen wir uns, dass dies kommuniziert wird, denn an den Handlungen der Kirche orientieren sich sehr viele Menschen. Es würde sicherlich eine Welle von weiteren Handlungen bei den Mitgliedern, aber auch bei anderen Menschen, nach sich ziehen, wenn bekannt wird, was die Kirche alles praktisch für den Umwelt-, Klimaschutz tut und damit für die nächsten Generationen auf den Weg bringt.

In diesem Sinne verabschiede ich mich hoffnungsvoll und mit besten Grüßen.

Eure Unterschrift